Corona-Lagebericht 11. Mai 2020

Liebes Publikum, liebe Freunde,

in den letzten Tagen wurden wir immer wieder auf die Beschlüsse der Bundesregierung zur schrittweisen Öffnung angesprochen.
Wir danken Ihnen und Euch sehr für die herzliche Teilnahme an unserer derzeit sehr schwierigen Situation.

Bei vielen von Euch haben wir eine gewisse Vorfreude erlebt, nach dem Motto: „Jetzt kann es ja wieder losgehen!”
Aber leider wird die Situation, nach den neuesten Öffnungen im Kulturbereich, immer katastrophaler.

Mittlerweile drängt sich uns der Eindruck auf, dass ein dauerhaftes Verbot von Kulturveranstaltungen und das Andenken weiterer Hilfsmaßnahmen realistischer und hilfreicher für das Überleben der Kulturlandschaft in Deutschland wäre.

So sieht nämlich unsere derzeitige Lage, und die vieler Kollegen, aus:

  • Veranstalter aus Städten und Gemeinden, die mit uns innerhalb 2020 bestehende Verträge haben, melden sich und verschieben Veranstaltungen in das nächste Jahr, was in Ordnung ist, uns aber natürlich in der aktuellen Situation nicht hilft.
  • Andere sagen Ihre Veranstaltungen ab, da sie unter den neuesten- natürlich notwendigen- Sicherheitsauflagen und den daraus entstehenden Kosten, wie zusätzlichem Ordnungspersonal und weniger Einnahmen durch Eintrittskarten, wegen Einhaltung der Mindestabstände, die Veranstaltung nicht durchführen wollen oder können. Oft ist es aber auch einfach die bestehende Planungsunsicherheit.
  • Andere bekommen Order von übergeordneter Stelle und versuchen in die bereits bestehenden Gastspielverträge für Herbst-Winter 2020 „Coronaklauseln” einzuarbeiten, die sie, bei schwieriger Lage von Ihren Verpflichtungen entbinden.

Ausdrücklich danken wir all den Veranstaltern und Kooperationspartnern, die mit uns ausgleichsweise auf unkonventionelle Maßnahmen wie Internetaufführungen und andere Veranstaltungsformen setzen, anders ihre Hilfsbereitschaft zeigen oder sich von den zu organisierenden Sicherheitsmaßnahmen nicht abschrecken lassen und die Veranstaltungen mit uns -besonders auch für Familien und Kinder- dennoch durchführen werden.

Das sind aber leider, gesehen auf unseren diesjährigen Tourplan und unsere finanziellen Engpässe, nur einige wenige.

Natürlich haben wir auch dafür Verständnis. Auch wir könnten unter den derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen nur jeden dritten Platz verkaufen und hätten zusätzliche Kosten für Ordnungskräfte, so dass momentan
eigene Aufführungen, wegen der unsicheren Planung und notwendigen Kosten nicht möglich sind.
Schwierig ist es allerdings, weil wir ein „produzierendes Haus“ sind. Im Oktober/ November entsteht unser neues Kindertheaterstück mit all seinen Produktionskosten und wir wissen bis jetzt noch nicht, obwohl wir Verträge mit Städten, Gemeinden und Grundschulen haben, was wir überhaupt noch über unsere Gastspiele einspielen werden können.
Viele Kulturämter gehen aus genannten Gründen zur Zeit auch gar keine Neuverträge für 2021 ein, selbst nicht für die zweite Jahreshälfte, auch das liegt an der Unübersichtlichkeit der Gesamtlage.

Die sehr intensive Zusammenarbeit mit Schulen, sei es in Form von Lehrerworkshops, Jugendworkshops, Präventivtheater oder Kindertheater, ruht, durch die lange Phase des Stillstands, und keiner weiß, was in Zukunft, innerhalb 2020 oder darüberhinaus überhaupt noch machbar ist.

So sieht es derzeit aus und täglich trudeln neue, schlechte Nachrichten bei uns ein.

Ich möchte Euch und uns ersparen die aktuelle Liste von Absagen und Terminverschiebungen in 2021 hier zu veröffentlichen.
Wir werden durchhalten und unser Engagement und unsere Begeisterung für unseren Arbeit nicht verlieren

Wir möchten auch ab 2021 noch für Euch und unsere Kooperationspartner dasein und hoffen weiterhin auf Euer Verständnis und Eure Solidarität.

Ganz liebe Grüße- bleibt weiterhin gesund!

Verena Bill und Michael Koenen
Theaterleitung
Niederrheintheater

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