„Die Burg ist ein toller Arbeitsplatz“ Beitrag in der Rheinischen Post

Brüggen Vor der malerischen Kulisse der Burg Brüggen beginnen am 22. Juli die neunten Niederrheinischen Theaterfestspiele. Nach dem Umzug des Theaters von Schloss Dilborn in die Burg Brüggen finden erstmals alle Veranstaltungen in und an der Burg statt. Höhepunkt der Festspiele ist die Komödie „Fisch zu viert“ von Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer, Regie führt Verena Bill. Der Burginnenhof wird zum Sommerhaus von drei Brauerei-Erben (Christian Stock, Carmen-Marie Zens, Nadine Schaub). Als Diener Rudolph (Michael Koenen), der den dreien jahrelang „in jeder Lage“ zu Diensten war, die versprochenen Erbteile einfordert, ist die Mordlust im Haus geweckt.

Sie haben gerade mit den Proben begonnen. Wie fängt man da an?

Koenen Text lernen, Text lernen, Text lernen. Über das Spiel versucht man dann herauszufinden, was passiert, dann entwickeln sich Emotionen. Und weil meine Figur, der Diener Rudolph, ständig hustet, muss ich lernen, in den richtigen Momenten zu husten, sodass es natürlich klingt und nicht stört.

Schaub Es gibt Übungen, um den Text direkt in den Körper zu lernen, damit man ihn auf der Bühne jederzeit abrufen kann. Dabei wirft man einen Tennisball in die Luft und fängt ihn, oder nutzt einen Hula-Hoop-Reifen. Ich schreibe meinen Text außerdem immer handschriftlich ab, wenn ich anfange zu lernen. Das hat schon zu Schulzeiten am besten funktioniert. An meine eigenen Aufzeichnungen kann ich mich am besten erinnern.

Was gefällt Ihnen an Ihren Rollen?

Schaub Ich spiele Clementine. Sie verkauft sich als Naivchen, das ist sie aber gar nicht. Sie ruht sich in dieser Rolle aus, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Aber sie kann auch austeilen.

Zens Ich finde meine Rolle der Cäcilie toll. Verena Bill hat die Rolle sehr dominant angelegt. Ich merke, wie viel Spaß es macht, zu befehlen und Nein zu sagen. Cäcilie weiß, was sie will, und sagt das auch.

Ist das Freilichttheater eine Herausforderung

Koenen Anders als im Theatersaal gibt es hier viele Geräusche von außen – hier im Burginnenhof hört man zum Beispiel die Autos oben auf der Straße, das Quaken der Enten im Burgweiher, die Gäste im Restaurant gegenüber. Freilichttheater bietet immer Ablenkung, nicht nur für die Schauspieler, sondern auch für die Zuschauer. Deshalb ist es draußen auch schwieriger, das Publikum zu greifen. ZENS Und die Sonne, die Insekten draußen! Ich erinnere mich an Sonnenmilch-Orgien und eine Zitronenmischung gegen Mücken. Außerdem hängen Verena und Michael immer am Wetterradar, um rechtzeitig zu entscheiden, ob wir am Abend draußen spielen oder drinnen. Deshalb müssen wir immer zwei Varianten proben. SCHAUB Um draußen zu spielen, musst du noch mehr Volumen in deine Stimme geben, das ist für mich spannend. Außerdem siehst du auf der Freilichtbühne das Publikum, auch daran muss man sich gewöhnen. Im Theatersaal siehst du niemanden, da knallt das Scheinwerferlicht auf die Bühne, und der Raum ist schwarz.

Wann wissen Sie, dass Sie in Ihrer Rolle wirklich drin sind?

Koenen Wenn ich gierig genug gesagt habe: ,Mein Geld! Der kleine Anteil von deinem Geld!‘ Wenn ich an der Stelle keine Nebengedanken mehr habe, bin ich drin. ZENS Wenn ich selber lachen muss, dann denke ich, das ist goldrichtig. Außerdem geht das Niederrheintheater mit uns ja auch auf Tour, und je öfter man das Stück dann spielt, desto natürlicher wirkt es. SCHAUB Wenn der Text sitzt, muss man ihn im Kopf nicht mehr durchrattern. KOENEN Wenn du über den Text nachdenkst, wird nicht so schön gespielt.

Wenn der Text sitzt: Was steht als Nächstes an?

Bill Wir kümmern uns jetzt erstmal um die Figurenfindung. Nadine gibt die Durchtriebene, Carmen die Dominante. Wir müssen auch überlegen, wie sich jemand wie der Diener verhält, der ein Burn-Out hat und mit dem Geld der Erben auf Weltreise gehen will. Der kann einfach nicht mehr, das muss man spüren. Weil ich diesmal nur eine kleine Rolle habe, kann ich mich ganz auf die Regie-Arbeit fokussieren, dadurch sehen wir schneller Ergebnisse. Nach und nach kommen auch die Requisiten hinzu, die wir zur Ausstattung des Sommerhauses brauchen, die Möbel, das Klavier. Da das Stück in den 1920er-Jahren spielt, müssen die Kleider und Frisuren ebenso passen wie die Musik. KOENEN Und ich muss noch lernen, auf dem Klavier einen Walzer anzuspielen. Vor ein paar Jahren habe ich mal Klavierunterricht genommen, aber das ist schon eine Weile her.

War der Umzug von Schloss Dilborn in die Burg hilfreich für das Theater?

Bill Es ist einfach toll. Unser Probenraum oben in der Burg ist sehr kreativ und wandelbar. Wir fühlen uns hier sehr wohl. KOENEN Der Raum ist sehr hell, und der Blick nach draußen gibt ein richtig gutes Gefühl. ZENS Ich finde, die Burg ist ein toller Arbeitsplatz. Auch die Belegschaft der Burg ist superfreundlich. Das ist einfach schön. BILL Das Publikum scheint uns auch nicht übel zu nehmen, dass wir in die Burg gezogen sind. Wir hatten jetzt schon einige Aufführungen hier im Saal – und die sind sehr gut angekommen.

BIRGITTA RONGE FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

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